Artikel: Warum entscheiden sich immer mehr Volleyballspieler für Basketballschuhe?

Warum entscheiden sich immer mehr Volleyballspieler für Basketballschuhe?
Wenn Basketball den Volleyball erobert: Warum immer mehr Spieler Basketballschuhe wählen
Jahrelang schien die Auswahl bei Volleyballschuhen nahezu selbstverständlich: Asics und Mizuno waren die wichtigsten Marken auf dem Markt, ergänzt durch große Marken wie Nike und adidas, die speziell für Volleyball entwickelte Modelle anboten.
Heute hat sich jedoch etwas verändert, und unsere Kundschaft besteht längst nicht mehr ausschließlich aus Basketballspielern.
Immer mehr Volleyballspieler, vom Amateur bis zum Leistungssportler, entscheiden sich für Schuhe, die ursprünglich für Basketball entwickelt wurden. Und längst handelt es sich nicht mehr um ein Nischenphänomen: Nike, Jordan, adidas, Li-Ning, Way of Wade, ANTA und 361° sind allesamt Marken, deren Basketballmodelle zunehmend auch auf Volleyballfeldern zum Einsatz kommen.
Aber warum ist das passiert?
Von Laufschuhen zu Basketballschuhen
Um diesen Wandel zu verstehen, müssen wir einen Schritt zurückgehen.
Bis vor etwa zehn Jahren war für viele Volleyballspieler, die einen leichten Schuh suchten, ein Laufschuh häufig die Alternative zum klassischen Volleyballschuh.
Der Grund war einfach: Laufschuhe waren leicht, weich und komfortabel.
Das Problem? Volleyball ist kein Laufsport.
Auf dem Feld gibt es ständige seitliche Bewegungen, Abbremsungen, Antritte, Sprünge und Landungen. Ein Schuh, der hauptsächlich für die Vorwärtsbewegung entwickelt wurde, kann nicht zwangsläufig die für Volleyball erforderliche seitliche Stabilität bieten.
Die Wahl eines Basketballschuhs stellt dagegen eine deutlich logischere Weiterentwicklung dar.
Basketball und Volleyball haben viele gemeinsame Anforderungen: Beide werden auf Parkett beziehungsweise in der Halle gespielt, beide erfordern Explosivität, Sprünge, Landungen und ständige Richtungswechsel.
Und in den vergangenen Jahren haben sich Basketballschuhe radikal weiterentwickelt.
Basketball ist schneller geworden. Und die Schuhe haben sich weiterentwickelt
Früher waren Basketballschuhe häufig hoch geschnitten, schwer und vor allem darauf ausgelegt, Schutz für den Knöchel und eine stabile Konstruktion zu bieten.
Moderner Basketball ist jedoch immer schneller, dynamischer und explosiver geworden.
Die Anforderungen der Athleten haben sich verändert – und damit auch die Schuhe.
Die Marken begannen, das Gewicht zu reduzieren, leichtere Materialien einzusetzen und reaktionsfreudigere Zwischensohlen zu entwickeln, ohne dabei auf Stabilität, Dämpfung und Schutz zu verzichten.
Genau hier haben sich die Anforderungen von Basketball und Volleyball angenähert.
Ein moderner Basketballschuh kann heute leicht, stabil, reaktionsfreudig und strapazierfähig sein – Eigenschaften, die perfekt zu dem passen, was ein Volleyballspieler sucht.
Grip, Stabilität und Strapazierfähigkeit: Der Vorteil von Basketballschuhen
Ein weiterer entscheidender Faktor ist der Grip.
Die besten Basketballschuhe sind darauf ausgelegt, auf Parkett eine hohe Bodenhaftung zu gewährleisten, denn ein Spieler muss innerhalb von Sekundenbruchteilen abbremsen, die Richtung wechseln und wieder beschleunigen können.
Diese Eigenschaft ist auch im Volleyball von enormer Bedeutung.
Hinzu kommen seitliche Stabilität, guter Halt des Fußes und eine widerstandsfähige Konstruktion – Bereiche, in denen moderne Basketballschuhe ein sehr hohes Niveau erreicht haben.
Und es gibt noch einen weiteren Aspekt, der häufig unterschätzt wird: die Haltbarkeit.
Moderne Basketballschuhe sind darauf ausgelegt, intensive Nutzung und kontinuierliche Bewegungen mit hoher Belastung auszuhalten. Für viele Spieler bedeutet das, dass sie dasselbe Paar länger nutzen können als verschiedene spezielle Volleyballmodelle.
Das Problem des Preis-Leistungs-Verhältnisses
Hier kommt ein weiterer Punkt ins Spiel: der Preis.
Volleyballspieler waren jahrelang daran gewöhnt, hohe Preise für einen speziell für Volleyball entwickelten Schuh zu bezahlen.
Das Problem ist jedoch, dass sich nach Ansicht vieler Verbraucher und umso mehr nach Einschätzung von Branchenexperten die technologische Entwicklung einiger Volleyballmodelle nicht immer proportional zu den steigenden Preisen entwickelt hat.
Technologien wie GEL von Asics oder Wave von Mizuno sind zu charakteristischen Elementen der jeweiligen Produkte geworden, blieben konzeptionell jedoch über viele Jahre präsent, während der Basketballbereich die Entwicklung von Schaumstoffen, Materialien, Geometrien und Support-Systemen enorm beschleunigt hat.
Das Ergebnis ist ein interessantes Paradox: In einigen Fällen kann ein technologisch fortschrittlicherer Basketballschuh genauso viel oder sogar weniger kosten als ein spezieller Volleyballschuh.
Und die Volleyballspieler beginnen, dies zu erkennen.
Die Skaleneffekte des Basketballs
Aber warum investieren die Marken so viel in Basketballschuhe?
Die Antwort ist auch wirtschaftlicher Natur.
Basketball gehört zu den weltweit am weitesten verbreiteten und beliebtesten Sportarten, mit einer enormen Präsenz in den USA, Europa und insbesondere Asien. Das Wachstum des Basketballs in China und anderen asiatischen Märkten hat das potenzielle Kundenfeld zusätzlich vergrößert.
Einige internationale Studien haben die Zahl der Basketballfans weltweit auf mehrere Milliarden geschätzt, wodurch Basketball zu einem der größten globalen Sportmärkte geworden ist.
Diese Größe ermöglicht es den Marken, enorme Skaleneffekte zu nutzen.
Millionen in die Forschung und Entwicklung eines neuen Basketballschuhs zu investieren, kann durch einen riesigen potenziellen Markt gerechtfertigt werden. Dieselbe Investition ausschließlich auf Volleyball anzuwenden bedeutet hingegen, sie auf einen deutlich kleineren Markt zu verteilen, der sich auf weniger Länder konzentriert.
Es ist eine sehr einfache Rechnung: Je größer der Markt, desto größer die Möglichkeit, Investitionen zu amortisieren.
Und das spiegelt sich direkt im Produkt wider.
Mehr Verkäufe bedeuten mehr Investitionen in F&E (Forschung und Entwicklung), mehr Wettbewerb zwischen den Marken, mehr Technologien, mehr Modelle und häufig ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis.
Auch der Wettbewerb zwischen den Marken darf nicht unterschätzt werden. Marken wie Nike, Asics und Mizuno, die im Segment faktisch ein Oligopol bilden, haben ihre Produkte deutlich langsamer weiterentwickelt als aufstrebende Marken wie Li-Ning, Anta und 361 Degrees, die auf der Suche nach Marktanteilen gezeigt haben, dass sie die Big Player in puncto Performance und Qualität übertreffen können.
Und dann ist da noch die Ästhetik
Wir dürfen jedoch einen Faktor nicht vergessen, der vielleicht weniger technisch, aber ebenso wichtig ist: die Ästhetik.
Basketball hat den Sportschuh zu einem echten Kulturobjekt gemacht.
Colorways, Kooperationen, Signature Shoes, Limited Editions und das Storytelling rund um die Athleten haben ein enorm breiteres Angebot geschaffen als im traditionellen Volleyballmarkt.
Für einen jungen Spieler bedeutet die Wahl eines Schuhs nicht mehr nur die Frage, welches Modell technisch am besten geeignet ist.
Es geht auch um die Frage: „Welcher Schuh gefällt mir am besten?“
In dieser Hinsicht hat Basketball schlicht deutlich mehr Auswahl zu bieten.
In diesem Zusammenhang muss auch Puma erwähnt werden. Die Signature Shoes von LaMelo Ball, die von der deutschen Marke produziert werden, sind in den vergangenen Saisons auch bei Volleyballspielern sehr beliebt geworden – nicht zuletzt aufgrund ihrer extravaganten Designs und Colorways, die einen deutlichen Kontrast zum cleanen Stil klassischer Volleyballschuhe darstellen.
Das Way-of-Wade-Phänomen
Eines der interessantesten Beispiele für diesen Wandel kommt von Way of Wade.
Die mit Dwyane Wade verbundene Marke ist auch bei Volleyballspielern besonders beliebt geworden, vor allem dank Modellen wie Wade 10, Wade 12, Wade All City und Wade 808, die Leichtigkeit, Grip, Reaktionsfreudigkeit und Stabilität bieten und häufig mit Carbonfaserplatten und Dämpfungsschäumen der neuesten Generation ausgestattet sind.
Way of Wade ist kein Einzelfall: Anta und 361° sind Marken, die hauptsächlich innerhalb des riesigen asiatischen Basketball-Ökosystems entstanden und gewachsen sind und zunehmend auch außerhalb des Basketballfeldes neue Zielgruppen gewinnen.
Wo stehen wir heute?
Heute haben Volleyballspieler eine deutlich größere Auswahl als früher.
Auf der einen Seite stehen die traditionell mit Volleyball verbundenen Marken wie Asics und Mizuno, die weiterhin spezielle Produkte entwickeln.
Auf der anderen Seite stehen Nike und adidas, die sowohl Basketball- als auch Volleyballschuhe anbieten (in einigen Fällen „recycelt“ Nike Basketball-Konstruktionen, um „neue“ Volleyball-Silhouetten zu entwickeln).
Und dann gibt es die neuen Protagonisten des globalen Marktes: Li-Ning und Way of Wade (die eigentlich dieselbe Marke sind), ANTA und 361°, die eine neue Generation von Produkten auf den westlichen Markt bringen.
Das Ergebnis ist, dass es heute nicht mehr ungewöhnlich ist, einen Volleyballspieler mit einem Schuh zu sehen, der ursprünglich für Stephen Curry, LaMelo Ball, Luka Dončić, Dwyane Wade oder andere große Basketballstars entwickelt wurde.
Und die Zukunft?
Die Zukunft wird wahrscheinlich nicht das Verschwinden der Volleyballschuhe bedeuten.
Sie wird etwas Interessanteres bringen: eine zunehmende Überschneidung zwischen den beiden Märkten.
Volleyballschuhe werden sicherlich weiterhin ihren eigenen Platz und ihre eigene Identität haben, insbesondere für diejenigen, die ein speziell für diesen Sport entwickeltes Produkt suchen. Wenn traditionelle Marken wie Asics und Mizuno jedoch mit der Zeit Schritt halten wollen, müssen sie Innovation wieder in den Mittelpunkt ihrer Produkte stellen und den Athleten einen echten Leistungsvorteil bieten.
Heute reicht der Ruhm der Vergangenheit allein nicht mehr aus: In einem Markt, in dem Alternativen aus immer wettbewerbsintensiveren Bereichen kommen, wird letztendlich derjenige gewinnen, der dem Athleten einen konkreten Grund geben kann, sich wieder für einen Volleyballschuh zu entscheiden.
Wenn ein Basketballschuh weiterhin dasselbe (oder ein höheres) Maß an Grip und Stabilität, Leichtigkeit, höhere Strapazierfähigkeit, fortschrittlichere Technologien, ein interessanteres Design und einen niedrigeren Preis bietet … warum sollte ein Volleyballspieler dann wieder einen Volleyballschuh wählen?
Giuseppe Bove Gründer von BasketballStore.net und seit über 25 Jahren im spezialisierten Basketball-Einzelhandel tätig.

















































